DHA, Bd. 2, S.         
 
  4. Zu ›Zeitgedichte‹ 
  Testament. 
  Ich mache jetzt mein Testament,
  Es geht nun bald mit mir zu End.
  Nur wundre ich mich, daß nicht schon längstens
  Mein Herz gebrochen vor Gram und Aengsten.
   
5 Du aller Frauen Huld und Zier,
  Luise! ich vermache dir
  Zwölf alte Hemde und hundert Flöhe,
  Und dreymal hundert tausend Flüche.
   
  Dem guten Freund, der mit gutem Rath
10 Mir immer rieth und nie was that,
  Jetzt als Vermächtniß, rath ich ihm selber:
  Nimm eine Kuh und zeuge Kälber.
   
  Wem geb' ich meine Religion,
  Den Glauben an Vater, Geist und Sohn?
15 Der Kaiser von China, der Rabbi von Posen,
  Sie sollen beide darum losen.
   
  Den deutschen Freyheits- und Gleichheitstraum,
  Die Seifenblasen vom besten Schaum,
  Vermach ich dem Censor der Stadt Krähwinkel;
20 Nahrhafter freylich ist Pumpernickel.
   
  Die Thaten, die ich noch nicht gethan,
  Den ganzen Vaterlandsrettungsplan,
  Nebst einem Rezept gegen Katzenjammer,
  Vermach ich den Helden der Badischen Kammer.
   
25 Und eine Schlafmütz, weiß wie Kreid',
  Vermach ich dem Vetter, der zur Zeit
  Für die Heidschnuckenrechte so kühn geredet;
  Jetzt schweigt er wie ein ächter Römer.
 DHA, Bd. 2, S.