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| | | DHerr A. W e i l l , der Verfasser der elsässischen Idyllen, denen wir |
| | | einige Geleitzeilen widmen, behauptet, daß er der erste gewesen, der |
| | | dieses Genre auf den deutschen Büchermarkt gebracht. Es hat mit |
| 10 | | dieser Behauptung vollkommen seine Richtigkeit, wie uns Freunde |
| | | versichern, die sich zugleich dahin aussprechen, als habe der |
| | | erwähnte Autor nicht bloß die ersten, sondern auch die besten Dorf- |
| | | novellen geschrieben. Unbekanntschaft mit den Meisterwerken der |
| | | Tagesschriftstellerey jenseits des Vater Rheins, hindert uns, hierüber |
| 15 | | ein selbstständig eignes Urtheil zu fällen. |
| | | DDem Genre selbst, der Dorfnovellistik, möchten wir übrigens |
| | | keine bedeutende Stellung in der Literatur anweisen, und was die |
| | | Priorität der Hervorbringung betrifft, so überschätzen wir ebenfalls |
| | | nicht dieses Verdienst. Die Hauptsache ist und bleibt, daß die Arbeit, |
| 20 | | die uns vorliegt, in ihrer Art gut und gelungen ist, und in dieser |
| | | Beziehung zollen wir ihr das ehrlichste Lob und die freundlichste |
| | | Anerkennung. |
| | | Herr W e i l l ist freylich keiner jener Dichter, die mit angeborener |
| | | Begabniß für plastische Gestaltung ihre stillsinnig harmonischen |
| 25 | | Kunstgebilde schaffen, aber er besitzt dagegen in übersprudelnder |
| | | Fülle eine seltene Ursprünglichkeit des Fühlens und Denkens, ein |
| | | leicht erregbares, enthusiastisches Gemüth und eine DLebhaftigkeit |
| | | des Geistes, die ihm im Erzählen und Schildern ganz wunderbar zu |
| | | statten kommt, und seinen literarischen Erzeugnissen den Charakter |
| 30 | | eines Naturprodukts verleiht. Er ergreift das Leben in jeder momen- |
| | | tanen Aeußerung, er ertappt es auf der That, und er selbst ist so zu |
| | | sagen ein passionirtes Daguerrotyp, das die Erscheinungswelt mehr |
| | | oder minder glücklich und manchmal, nach den Launen des Zufalls, |
| | | poetisch abspiegelt. Dieses merkwürdige Talent, oder besser gesagt |
| 35 | | dieses Naturell, bekundet sich auch in den übrigen Schriften des |
| | | Herrn W e i l l , namentlich in seinem jüngsten Geschichtsbuche |
| | | über den Bauernkrieg und in seinen sehr interessanten, sehr pikan- |
| | | ten und sehr tumultuarischen Aufsätzen, wo er für die große DSache |
| | | unserer Gegenwart aufs löblich Tollste Parthey ergreift. Hier zeigt |
| 40 | | sich unser Autor mit allen seinen socialen Tugenden und ästheti- |