DHA, Bd. 10, S.         

  DVorwort.
   
  <Zu Alexander Weill, »Sittengemälde aus dem
elsässischen Volksleben«, 1847>
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  DHerr A.  W e i l l ,  der Verfasser der elsässischen Idyllen, denen wir
  einige Geleitzeilen widmen, behauptet, daß er der erste gewesen, der
  dieses Genre auf den deutschen Büchermarkt gebracht. Es hat mit
10 dieser Behauptung vollkommen seine Richtigkeit, wie uns Freunde
  versichern, die sich zugleich dahin aussprechen, als habe der
  erwähnte Autor nicht bloß die ersten, sondern auch die besten Dorf-
  novellen geschrieben. Unbekanntschaft mit den Meisterwerken der
  Tagesschriftstellerey jenseits des Vater Rheins, hindert uns, hierüber
15 ein selbstständig eignes Urtheil zu fällen.
  DDem Genre selbst, der Dorfnovellistik, möchten wir übrigens
  keine bedeutende Stellung in der Literatur anweisen, und was die
  Priorität der Hervorbringung betrifft, so überschätzen wir ebenfalls
  nicht dieses Verdienst. Die Hauptsache ist und bleibt, daß die Arbeit,
20 die uns vorliegt, in ihrer Art gut und gelungen ist, und in dieser
  Beziehung zollen wir ihr das ehrlichste Lob und die freundlichste
  Anerkennung.
  Herr  W e i l l  ist freylich keiner jener Dichter, die mit angeborener
  Begabniß für plastische Gestaltung ihre stillsinnig harmonischen
25 Kunstgebilde schaffen, aber er besitzt dagegen in übersprudelnder
  Fülle eine seltene Ursprünglichkeit des Fühlens und Denkens, ein
  leicht erregbares, enthusiastisches Gemüth und eine DLebhaftigkeit
  des Geistes, die ihm im Erzählen und Schildern ganz wunderbar zu
  statten kommt, und seinen literarischen Erzeugnissen den Charakter
30 eines Naturprodukts verleiht. Er ergreift das Leben in jeder momen-
  tanen Aeußerung, er ertappt es auf der That, und er selbst ist so zu
  sagen ein passionirtes Daguerrotyp, das die Erscheinungswelt mehr
  oder minder glücklich und manchmal, nach den Launen des Zufalls,
  poetisch abspiegelt. Dieses merkwürdige Talent, oder besser gesagt
35 dieses Naturell, bekundet sich auch in den übrigen Schriften des
  Herrn  W e i l l ,  namentlich in seinem jüngsten Geschichtsbuche
  über den Bauernkrieg und in seinen sehr interessanten, sehr pikan-
  ten und sehr tumultuarischen Aufsätzen, wo er für die große DSache
  unserer Gegenwart aufs löblich Tollste Parthey ergreift. Hier zeigt
40 sich unser Autor mit allen seinen socialen Tugenden und ästheti-
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