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  Geld vertheilt an die Vorständter, und die Arbeiter wurden von den
  Fabrikherrn entlassen, und Weinwirthe wurden bezahlt, die umsonst
  Wein schenkten und noch Pulver hineinmischten, um den Pöbel zu
  erhitzen, et du reste, c'était le soleil!«
5 DDer Marquis hat vielleicht Recht: es war die Sonne. Zumal im Monath
  Juli hat die Sonne immer am gewaltigsten mit ihren Stralen die Herzen der
  Pariser entflammt, wenn die Freyheit bedroht war, und sonnentrunken
  erhob sich dann das Volk von Paris gegen die morschen Bastillen und
  Ordonnanzen der Knechtschaft. Sonne und Stadt verstehen sich
10 wunderbar, und sie lieben sich. Ehe die Sonne des Abends ins Meer
  hinabsteigt, verweilt ihr Blick noch lange mit Wohlgefallen auf der
  schönen Stadt Paris, und mit ihren letzten Stralen küßt sie die
  dreyfarbigen Fahnen auf den Thürmen der schönen Stadt Paris. Mit
  Recht hatte ein französischer Dichter den Vorschlag gemacht, das Julifest
15 durch eine symbolische Vermählung zu feyern: und wie einst der Doge
  von Venedig jährlich den goldenen Bukentauro bestiegen, um die
  herrschende Venezia mit dem adriatischen Meere zu vermählen, so solle
  alljährlich auf dem Bastillenplatze die Stadt Paris sich vermählen Dmit der
  Sonne, dem großen, flammenden Glücksstern ihrer Freyheit. Casimir
20 Perier hat diesen Vorschlag nicht goutirt, er fürchtet den Polterabend einer
  solchen Hochzeit, er fürchtet die allzustarke Hitze einer solchen Ehe, und
  er bewilligt der Stadt Paris höchstens eine morganatische Verbindung mit
  der Sonne.
  Doch ich vergesse, daß ich nur Berichterstatter einer Ausstellung bin.
25 Als solcher gelange ich jetzt zur Erwähnung eines Malers, der, indem er
  die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, zu gleicher Zeit mich selber so
  sehr ansprach, daß seine Bilder mir nur wie ein buntes Echo der eignen
  Herzensstimme erschienen, oder vielmehr, daß die wahlverwandten
  Farbentöne in meinem Herzen wunderbar wiederklangen.
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   D e c a m p s 
   
  heißt der Maler, der solchen Zauber auf mich ausübte. JLeider habe ich
35 eins seiner besten Werke, Ddas Hundehospital, gar nicht gesehen. Es war
  schon fortgenommen, als ich die Ausstellung besuchte. Einige andere gute
  Stücke von ihm entgingen mir, weil ich sie aus der großen Menge nicht
  herausfinden konnte, ehe sie ebenfalls fortgenommen wurden. Ich
  erkannte aber gleich von selbst, daß Decamps ein großer Maler sey, als ich
40 zuerst ein kleines Bild von ihm sah, dessen Colorit und Einfachheit mich
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