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| | | stärker und bitterer die Farben aufgetragen, er hätte etwas DBerliner Blau |
| | | hineingemischt, oder wenigstens etwas grüne Galle, und der Grundton |
| | | der Persifflage wäre verfehlt worden. |
| | | Damit mich dieses Bild nicht noch länger festhält, wende ich mich rasch |
| 5 | | zu einem Gemälde, worauf der Name |
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| 10 | | zu lesen war, und das durch seine wunderbare Wahrheit und durch einen |
| | | Luxus von Bescheidenheit und Einfachheit Jeden anzog. Man stutzte, |
| | | wenn man vorbeyging. »Der kranke Bruder«, ist es im Katalog |
| | | verzeichnet. In einer ärmlichen Dachstube, auf einem ärmlichen Bette, |
| | | liegt ein siecher Knabe und schaut mit flehenden Augen nach einem |
| 15 | | rohhölzernen Kruzifixe, das an der kahlen Wand befestigt ist. Zu seinen |
| | | Füßen sitzt ein anderer Knabe, niedergeschlagenen Blicks, bekümmert |
| | | und traurig. Sein kurzes Jäckchen und seine Höschen sind zwar reinlich, |
| | | aber vielfältig geflickt und von ganz grobem Tuche. Die gelbe wollene |
| | | Decke Dauf dem Bette, und weniger die Möbel als vielmehr der Mangel |
| 20 | | derselben zeugen von banger Dürftigkeit. Dem Stoffe ganz anpassend ist |
| | | die Behandlung. Diese erinnert zumeist an die Bettlerbilder des Morillo. |
| | | Scharfgeschnittene Schatten, gewaltige, feste, ernste Striche, die Farben |
| | | nicht geschwinde hingefegt, sondern ruhigkühn aufgelegt, sonderbar |
| | | gedämpft und dennoch nicht trübe; den Charakter der ganzen Behand- |
| 25 | | lung bezeichnet Shakespeare mit den Worten: the modesty of nature. |
| | | Umgeben von brillanten Gemälden mit glänzenden Prachtrahmen, mußte |
| | | dieses Stück um so mehr auffallen, da der Rahmen alt und von |
| | | angeschwärztem Golde war, ganz übereinstimmend mit Stoff und |
| | | Behandlung des Bildes. Solchermaßen konsequent in seiner ganzen |
| 30 | | Erscheinung und kontrastirend mit seiner ganzen Umgebung, machte |
| | | dieses Gemälde einen tiefen melancholischen Eindruck auf jeden |
| | | Beschauer, und erfüllte die Seele mit jenem unnennbaren Mitleid, das uns |
| | | zuweilen ergreift, Dwenn wir, aus dem erleuchteten Saal einer heitern |
| | | Gesellschaft, plötzlich hinaustreten auf die dunkle Straße, und von einem |
| 35 | | zerlumpten Mitgeschöpfe angeredet werden, das über Hunger und Kälte |
| | | klagt. Dieses Bild sagt viel mit wenigen Strichen und noch viel mehr erregt |
| | | es in unserer Seele. |